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Natürliche Lebensbedingungen |
Der Biotop, der hier näher erläutert werden soll, beschränkt sich auf einzelne Gebiete des riesigen Einzugsbereichs des Amazonas und seiner Nebenflüsse. Es können und sollen auch nur diejenigen Fische und Pflanzen beschrieben werden, die in der Regel in Deutschland erhältlich sind. Deren natürliche Lebensräume unterscheiden sich fast immer beträchtlich von denen, wie sie sie in den Aquarien geboten bekommen. Die Pflege anspruchsvoller Aquarienbewohner bedeutet daher meist auch eine ebensolche Belastung des Geldbeutels. Jedoch kann es auch gelingen, mit verhältnismäßig geringem Aufwand naturähnliche Bedingungen zu schaffen.. In der Übersichtstabelle ist eine grobe Struktur der Wasserverhältnisse in den Quellgebieten dargestellt,
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Flußtyp |
Farbe |
Quellgebiet |
Boden |
Vegetation |
Beispiel |
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Weißwasser, Sichtweite nur 10 bis 50 cm, pH 6,4 bis 6,9, Leitwert 30 bis 60 µS, Ca & Mg > 5 mg/Liter |
Lehmig-gelb, trübe |
Anden, Sierra Parima |
Lehme, braun |
Hochwald der Anden |
Amazonas, Rio Madeira |
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Klarwasser, Sichtweite 1m bis 4 m, pH 5,2 bis 5,8, Leitwert 5 bis 15 µS, Ca & Mg > 1,5 mg/Liter |
Gelb bis olivgrün, jedoch klar |
Bergmassive in Zentralbrasilien, tertiäres Urgestein Amazoniens |
Lehme, braun |
Amazonischer Hochwald |
Bäche aus dem tertiären Urgestein (Granit, Sandstein) |
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Schwarzwasser, Sichtweite 1,5m bis 2,5m, pH 4,0 bis 4,8, Leitwert 10 bis 20 µS, Ca & Mg < 1,5 mg/Liter |
Oliv bis dunkelbraun, jedoch transparent |
Talsohlen dicht bewachsener Hänge |
Podsole |
Sumpfige Graslandschaft |
Rio Negro, Rio Cucuru |
Selbst aus dieser globalen Tabelle ist ersichtlich, daß die Wasserzusammensetzung überall eines gemeinsam hat: niedrige pH-Werte, niedrige Leitwerte und die Abwesenheit von Karbonaten. Auffällig ist auch die gegenüber einem Aquarium geringe Sichtweite. Viele Fische, ganz augenfällig die Neons, haben sich in der Evolution an solche Verhältnisse angepaßt. Auf der anderen Seite bietet eine kurze Sichtweite aber auch Schutz vor Räubern. Insofern sollte man sich bei unter aquaristischen Bedingungen sehr schreckhafter Verhaltensweise seiner Pfleglinge auch diesen Aspekt beachten, bevor eine Falschinterpretation entsteht.
Der markanteste Unterschied zwischen unseren europäischen Biotopen und denen im Amazonasgebiet liegt vor allem darin, daß dort kaum Härtebildner im Wasser gelöst sind. Dies hat den hauptsächlichen Grund darin, daß sich im Einzugsgebiet des Amazonas nie kalkhaltige Muschelbänke bilden konnten, die in Europa durch die Gebirgsfaltung als Muschelkalk z.B. in den Alpen sichtbar geworden sind.
Daher liegt die größte Aufgabe derjenigen, die die Amazonaspflanzen und Fische ein wenig biotopgerecht pflegen wollen, darin, sich möglichst an die geforderte Wasserzusammensetzung heranzutasten und damit optimale Lebensbedingungen zu bieten. Es geht zwar immer die Mär um, man könne die Lebewesen an jede Umwelt gewöhnen; doch stellt sich dies immer wieder als große Enttäuschung dar, wenn der Aquarianer feststellt, daß nach einiger Zeit gravierende Probleme auftauchen. Das Eingewöhnen bedeutet für Pflanzen und Tiere, die seit Millionen von Jahren an eine unveränderliche Umwelt angepaßt sind, eine Zwangsmaßnahme, die in der Regel zu baldigen Siechtum zu chronischer Krankheit und zum Tod führt.
Andererseits sind auch Pflanzen und Fische erhältlich, die sich in gewissen Grenzen anpassen können, weil sie nicht ursprünglich aus den oben genannten statischen Biotopen stammen, sondern aus solchen, wo bereits ein ausgeprägter Wechsel der Umweltbedingungen stattfindet, z.B. jahreszeitlich bedingt. Leider sind die Daten, die allgemein selbst für Fische, die zum Standard im deutschen Aquarium zählen, kaum verläßliche Biotopdaten dokumentiert.
Alle Fische, sowohl die Meeresfische, als auch die Süßwasserfische, besitzen einen Blut-pH von rund 7,4. Dies ist genetisch deswegen festgelegt, weil auch die Süßwasserfische ursprünglich Meeresbewohner waren. Sie haben sich zwar mit einer energieaufwendigen Osmosetechnik im Laufe der Entwicklungsgeschichte an die Umweltverhältnisse in extrem weichem Wasser im Amazonasgebiet angepaßt, jedoch geschah diese Anpassung nicht durch Veränderung des Blut-pH-Werts, sondern duch vermehrten Ionen-Umsatz über Kiemen und Haut. Auch diese Eigenschaft der Fische ist also genetisch festgelegt. Der Umstand, daß in Europa ein Wasser wie am Amazonas kaum zu finden ist, läßt viele Aquarianer vernachlässigen, daß ihre Pfleglinge mittelfristig nicht imstande sind, das Überangebot an Salzen, die im Wasser gelöst sind, über ihre Osmose aus ihrem Körper fernzuhalten. Denn sie sind ja dafür bestimmt stets große Mengen des umgebenden Wassers aufzunehmen und die darin gelösten Salze ihrem Körper zuzuführen. Um mit dem hiesigen Wasser den Blutsalzgehalt auf dem Sollstand zu halten, brauchen die Tiere bei weitem nicht so viel Wasser umzusetzen wie anm Amazonas. Dennoch nehmen sie hier bei uns genetisch bedingt genausoviel Wasser auf wie in ihrem Ursprungsbiotop. Unser Wasser jedoch einen viel höheren Salzgehalt, und genau an diesem Punkt kommt es zum Konflikt. Es ist also prinzipiell nicht möglich, extreme Weichwasserfische an ein salzreiches Wasser zu gewöhnen.