Sand - Bodengrund

Vor 18 Monaten wurde das hier vorgestellte Gesellschaftsaquarium mit einem Bodengrund aus Sand eingerichtet.

Bei dem Bodengrund handelt es sich um Bausand aus dem Kieswerk Köln-Rath. Für einen Heiermann (5 DM) erhält man dort eine ganze PKW-Ladung von diesem Material. 

Der Sand hat eine Körnung von 0 - 2mm und ist frei von Kalk. 

Da sich die (auch nach der werkseitigen Aufbereitung noch vorhandenen) lehmigen und tonigen Bestandteile des Sandes günstig auf die chemischen und mikrobiologischen Verhältnisse im Untergrund auswirken, wurde der Sand nicht gewaschen bevor er in das Aquarium eingebracht wurde. 
Die nach der Erstbefüllung des Aquariums zunächst vorhandene Trübung des Wassers reduzierte sich innerhalb von 24 Stunden drastisch und war nach etwa drei Tagen nicht mehr vorhanden. 
Auch das spätere Einsetzen von gründelnden Welsen führte zu keiner nennenswerten Eintrübung.

Die Höhe des Untergrundes liegt zwischen 5 und 8cm.



Auf diesem Bild ist deutlich die Bildung einer Schichtung innerhalb des Untergrundes erkennbar.

0 - 1 cm 
Diese Schicht wird permanent von Turmdeckelschnecken und einem Schwarm Corydoras durchgearbeitet .

1 - 3,5 cm
In dieser Schicht bilden sich Blasen die aus atmosphärischem Stickstoff bestehen. 
Die Stickstoffblasen sind das Resultat aerober und anaerober Zersetzungsvorgänge.
Etwa einmal pro Minute durchbricht irgendwo im Becken eine dieser Blasen den Bodengrund nach oben und steigt zur Wasseroberfläche auf. 
Im Bereich der Frontscheibe (Licht dringt in den Untergrund) kann aufgrund besonderer Nährstoffverhältnisse die Bildung von Grünalgen beobachtet werden. 

3,5 cm 
Hier befindet sich eine dünne braune Schicht.
Diese Schicht kennzeichnet den Übergang zwischen der aeroben und der anaeroben Zone des Untergrundes. Die braune Farbe ist auf die erhöhte Konzentration von Eisen in diesem Bereich zurück zu führen. 

3,5 - n cm 
Anaerobe Zone des Untergrundes.
Diese Zone wird von denitrifizierenden Bakterien besiedelt, die Nitrat (NO3) über Nitrit (NO2) in Stickstoff (N) umwandeln. 
Die in diese Zonen vorstoßenden Wurzeln der Pflanzen können dort, aufgrund der Abwesenheit von Sauerstoff, zwei- und dreiwertiges Eisen aufschließen und für ihren Stoffwechsel nutzen. 

 

Hier ein Eindruck vom Pflanzenwuchs.
Im Vordergrund eine Sagittaria platyphylla, rechts davon Echinodorus tenellus. An der linken Bildseite weitere Echinodoren, in Bildmitte Micranthemum umrosum. Im Hintergrund Microsorum pteropus.

Die Pflanzen sind seit vielen Monaten in Kultur und müssen regelmäßig ausgelichtet werden um ein völliges Zuwachsen des Aquariums zu vermeiden.



Ausgehend von den bisherigen Erfahrungen mit Sand als Untergrund, läßt sich feststellen:

Der Pflanzenwuchs ist auch ohne den Einsatz zusätzlicher "Bodenverbesser" wie Laterit, Erde oder   Düngerkugeln ausgezeichnet.

Der Gehalt an Nitrat und Nitrit im Aquarienwasser war mit aquaristischen Methoden zu keinem Zeitpunkt nachweisbar (< 1 mg/l) . Auch der sogenannte Nitrat-Peak in der "Einfahrphase" des Aquariums trat nicht in Erscheinung.

An keiner Stelle des Aquariums bildet sich Mulm von nennenswertem Umfang. 

Die von Christel Kasselmann geschilderte explosionsartige Vermehrung von Turmdeckelschnecken bei gutem (?) Bodengrundklima trat nicht auf. 
Wie bei allen anderen im Aquarium vertretenen Schnecken, befand sich die Populationsdichte der Turmdeckelschnecken immer in Abhängig von der, dem Biotop Aquarium, zugeführten Fisch-Futtermenge.
( Viel Futter, viele Schnecken. Wenig Futter, wenige Schnecken
- oder, um den Apekt Biotop noch deutlicher hervor zu heben: 
Viele Fische, viel Futter, viele Schnecken. Wenig Fische, wenig Futter ...)

Welse und Schnecken können die oberste Schicht des Untergrundes nach Nahrung durchsuchen.

Verglichen mit handelsüblichen Materialien hat Sand ein natürliches Aussehen. 

Bei der Gestaltung eines Aquariums mit Sand muß beachtet werden, daß sich dieser kaum profilieren läßt. Da sich der Sand unter Wasser fließend verhält, lassen sich auf die Dauer keine Neigungen größer 1: 50 (2cm auf 1m) realisieren.

Der Aufbau von Terrassen mit Steinen, die mit Sand hinterfüllt werden, führt zu sehr unnatürlichen Ergebnissen. Die Gestaltung des Beckens sollte daher durch Pflanzen unterschiedlicher Größe, Farbe und Wuchsform, geeigneten Wurzeln oder Steine erfolgen. 

Die theoretischen Hintergründe zu den geschilderten Eigenschaften eines Untergrundes aus Sand finden sich unter Ökologie -> Aquariumbiotop -> Bodengrund -> Bodengrundfilter.

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